Wer nicht fragt bleibt dumm!

 

Kinder malen Fragen

Malen mit Mike Kuhlmann und ART de Temple

Wann stellen wir Erwachsenen schon mal Fragen, um wirklich klüger zu werden, um etwas zu lernen? Wann geben wir schon mal zu, etwas nicht zu wissen? Stellen wir unsere Fragen nicht meist in der Annahme, die Antwort längst zu kennen? Oder um Anerkennung zu ernten? Geht es uns nicht meist um den intellektuellen Schlagabtausch, aus dem jeder als Sieger hervorgehen will?

Ich bin da keine Ausnahme. Schließlich habe ich auch diesen Text mit der Sorte Fragen begonnen, die mein rhetorisches Geschick unter Beweis stellen sollen. Doch wie oft hätte ich Lust, einfach drauf los zu fragen! So wie es Kinder tun, wenn sie etwas interessiert oder wenn sie etwas nicht verstehen? Ungehemmt. Unbefangen. Mit der ehrlichen Hoffnung auf Antworten.

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Mike Kuhlmann teilt diese Sehnsucht nach der kindlichen Freude am Erkunden der Welt. Und deshalb zeigt die aktuelle Ausstellung des Frankfurter Künstlers Bilder, die er gemeinsam mit Kindern gemalt hat und auf denen die Kleinen ihre großen Fragen stellen. „Können Tiere miteinander sprechen?“ „Was ist in der Sonne drin“? „Warum gibt es Streit auf der Welt?“ „Wieso machen so viele Menschen die Umwelt kaputt?“

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Von humorvoll bis existentiell – das Spektrum an Fragen, welche die Schülerinnen und Schüler der Mühlberg Grundschule in Johannesberg kunstvoll festhielten, unterstreicht die Erkenntnis, die Mike Kuhlmann schon vor Jahren dazu bewog, die von ihm kreierte erste Marke des Teilens „propheten“ zu nennen. Das mittlerweile in ganz Deutschland bekannte Logo mit dem „Kindskopf“, das Produkte und Dienstleistungen ziert, deren Erlöse zu einem Teil Kinderhilfs- und Förderungsorganisationen weltweit zugutekommen, steht für die Unschuld der kindlichen Seele. „Kinder öffnen uns die Augen, lassen uns verstehen oder zumindest ahnen, was wir verloren haben und geben uns Hoffnung, weil nach uns immer wieder kleine ‚Propheten‘ geboren werden.

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Neben der Ausstellung in der Galerie der Auberge de Temple in Johannesberg, die dort noch bis 31.07.2016 zu sehen ist, diente bei der Vernissage zum Auftakt auch die benachbarte Kirche St. Johannes des Täufers als Expositionsfläche für die farbenfrohen Fragebilder sowie einige handverlesene Originale und limitierte Drucke von Mike Kuhlmann, welche noch einmal von der grenz- und kulturüberschreitenden Botschaft seines gesamten Oeuvre zeugen. Schließlich ist auch das Haus Gottes ein Ort der Hoffnung auf Antworten.

Letztere sind aus Kindermund übrigens ebenfalls hilfreicher, weil unverfälschter, als so manche Erklärung, die man von Lehrern, Philosophen, Politikern und anderen vermeintlich Klügeren zu hören bekommt, weiß Christine Wondrak, die das Projekt gemeinsam mit dem Künstler und Unternehmer Günther de Temple ins Leben rief: „Ein Schüler fragte während des Malens: Was ist ein Hochformat? Die Antwort der Klassenkameraden: Ganz einfach! Die kurze Seite am Bauch.“

Natalie Rosini 

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